Ein Baum lernt wachsen

Ein Baum wächst

… aus einem winzigen Samenkorn zu etwas ganz Großen heran, das wieder Neues Leben zaubern kann. Wird er in seiner Entwicklung entsprechend gefördert und ihm das gegeben wird, was er gerade braucht und nur soviel, damit er selbstständig leben lernt – je nach Entwicklungsstadium. Ist es noch ein Korn, benötigt es Wasser, Sonnenlicht, viel Zuwendung und Liebe, um höher zu wachsen, später ein großes Gewicht zu tragen und alles weiter oben Entstehende zu versorgen. Stark verwurzelt haut ihn so schnell kein Sturm um.

Das Baum schlängelt sich zum Licht empor.

Schon wird es mit äußeren Einflüssen konfrontiert, die es bisher noch nicht kannte. Er ist gefordert damit umzugehen, mit dem kalten Regen, den angriffslustigen Vögeln, den Eichhörnchen die an ihm Zupfen. Kooperation mit allen entspannt die Situationen. Er hat manchmal Angst und greift zurück auf den Schutz seiner Wurzeln. Oder ihn überkommt Wut und er muss lernen, sie zu verstehen und sie nicht in Aggression zu wandeln. Würde der kleine Baum mit dem Sturm nur kämpfen, dann würde er irgendwann rot sehen und sich regelrecht zermürben vor innerem Leid. Er könnte den Anblick der schönen Blumen, das Zirpen der Grillen, den Geruch der saftigen Wiese, das Kribbeln der kleinen Insekten, die auf ihm klettern nicht genießen.

Der Baum vertraut

… und geht stabiler mit Emotionen um. Auch wenn er mal tief am Boden liegt, kennt er jetzt Möglichkeiten, sich wieder hochzuhangeln. Jetzt braucht er viel Kraft, großen Willen und starkes Durchsetzungsvermögen. Während er größer wird, wachsen seine Bekannten auch. Der dicke Baum nebenan baut sich gerade ganz schön auf. Es braucht Kraft und Mut, sich nicht in den Schatten stellen zu lassen. Er will ja wachsen, braucht dafür Durchsetzungskraft. Es begegnen ihm Zeiten ohne Licht und Durststrecken, in denen er nicht aufgeben darf, wenn er größer werden will. Er kann sich befreien, indem er sich seiner Kraft bewusst ist und er sich diesem Werkszeug selbstständig bedient.

Sein Herz ist gestärkt.

Der Baum lebt nun mit der Natur in Einklang. Er es ist, der alles in der Hand hat, um etwas zu erreichen. Immer wieder schaut er nach oben und beobachtet den Regenbogen, die Wolken und die Sonne und in der Dunkelheit den Mond und unendlich viele Sterne. Plötzlich wächst eine Sehnsucht zu etwas Unbekannten, selbst diese Sehnsucht ist ihm nicht vertraut. Bis oben reichen seine Äste nicht. Es hängt auch kein Seil hinunter, an dem er sich festhalten könnte, um hochzuklettern um die fremde Welt zu inspizieren. Keine Hilfe in Sichtweite. Nur ab und zu verbindet eine Sternschnuppe den Himmel mit der Erde. Da der Baum es gewohnt ist zu wachsen, macht er sich auf eine Reise ins Unbekannte. Es scheint andere Wege zu geben, als die ihm bekannt waren, eine Vorstellung, die er nicht fassen kann.

Hoch will er

…, dass ist jetzt klar, aber wohin und warum? Er möchte mehr als eine gute Figur auf der Obstplantage machen und beginnt sich zu fragen, wofür er auf der Welt ist. Er möchte etwas in die Welt tragen. Nur was? Werden es Äpfel, Birnen oder Haselnüsse sein? Im Samen war diese Information von Beginn an enthalten. Dort steht genau geschrieben, welche Früchte mal seine sein werden. Es ist also schon da, nur erkennt er es nicht gleich. Es ist für ihn wichtig zu verstehen, wozu er da ist, denn was nützt es dem Apfelbaum seine Energie dafür aufzuwenden, Nüsse mit harter Schale wachsen zu lassen, Energie dafür aufzuwenden, jemand sein zu wollen, was er niemals sein wird. Niemand will seine Haselnüsse dann essen, da sie nicht rein nach Nuss schmecken, sie haben den Geschmack eines Apfels. Wenn der Baum sich seiner selbst bewusst ist, dann ist er ein wahrer Apfelbaum, der seine Samen ausstreuen kann…

 

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